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Schöne Aussichten
Gambarogno heisst der Hügelzug am Ostufer des Lago Maggiore – wenig beachtet, dafür umso wilder, romantischer und überraschender.
Pflastersteine aus Gneis, Mauern aus Gneis, Häuser aus Gneis mit Dächern aus Gneis. Indemini ist ein Dorf aus Stein, und könnten Steine sprechen, dann würde hier lautes Gemurmel herrschen. Es gibt nämlich einiges zu berichten aus diesem fast vergessenen Flecken am Ende der Schweiz. Doch Steine sprechen nicht. Also herrscht Stille – stille Schönheit.
Geschichten erzählt dafür Fausto Domenighetti, Gemeinderat, PostAuto-Unternehmer, Restaurantbesitzer und mit 57 Jahren einer der jüngeren Einwohner Indeminis. Er erzählt vom entbehrungsreichen Leben seiner Vorfahren. Wie die Frauen im Sommer allein die Felder bestellten, während sich die Männer auf dem Mailänder Bahnhof als Gepäckträger verdingten. Wie sich die Männer im Winter durch den Schmuggel zwischen Italien und der Schweiz einen Zustupf verdienten. Und wie das Leben in Indemini war, bevor das Schweizer Militär 1920 die Strasse zum Lago Maggiore baute. Nur über einen 15 Kilometer langen Maultierpfad war das «Steindorf» zu erreichen gewesen. Als der damalige Pfarrer fand, der liebe Gott sei auch von Indemini aus mit Klavierklängen zu betören, mussten vier Indemineser einen Klimperkasten vom Lago Maggiore bis nach Indemini schleppen. Vier Tage brauchten sie für den Marsch über die Hügelkette des Gambarogno. Auch eine Art Martyrium.
Heute ist der Maultierpfad ein beliebter Wanderweg, wobei sich die meisten Touristen den Aufstieg über die Hügelkette sparen. Aus gutem Grund, denn ein Postauto fährt hinauf. Die Linie 326 vom Bahnhof Magadino-Vira nach Indemini gehört zu den schönsten der Schweiz. 132 Kurven meistert das Fahrzeug, davon 38 Haarnadelkurven. Wer das gezählt hat? Fausto Domenighetti natürlich, der die Linie in dritter Generation betreibt.
Wanderer steigen entweder auf der Alpe di Neggia aus, um in gut drei Stunden nach Indemini zu laufen, oder umgekehrt: Sie fahren nach Indemini, essen zu Mittag im Ristorante Indeminese und wandern dann zur Alpe di Neggia. Die Buchen- und Edelkastanienwälder gedeihen üppig, die Kapelle von Sant’Anna lässt romantische Herzen höher schlagen und vom Monte Gambarogno (1734 m ü.M.) aus gleichen die Jachten auf dem Lago Maggiore Schwänen, die Maggia erscheint als Rinnsal. Zwei Etagen höher: das Alpenpanorama mit dem Monte-Rosa-Gebiet, der Mischabelgruppe und dem Basodino. Tipp: Auf der Alpe di Cedullo frischen Ziegenkäse kaufen!
Am frühen Abend bringt das letzte Postauto die Wanderer wieder zurück zum Lago Maggiore. Wie hübsch und wenig überlaufen die Ortschaften an der Riviera del Gambarogno sind! Und wie wohltuend ein Sprung ins Wasser! Eine empfehlenswerte Adresse für die Übernachtung ist übrigens das Hotel Bellavista. Weil der Name hält, was er verspricht, aber auch, weil direkt vor der Hoteltür das Postauto hält, das einen am nächsten Tag zu einer weiteren Perle des Gambarogno fährt: dem Botanischen Garten Gambarogno in Vairano. Unweit des Maultierpfads, auf dem die Bäuerinnen aus Indemini einst mit zentnerschweren Tragkörben Marroni nach Vira schleppten, entfalten heute Magnolien und Kamelien, Azaleen und Rhododendren ihre Blütenpracht.
Ausflugstipp: Mit PostAuto von Magadino nach Indemini
PostAuto fährt mehrmals täglich vom Schiffsanleger Magadino via Bahnhof Magadino nach Indemini (saisonale Abfahrtszeiten beachten). Die Strecke ist eine der schönsten der Schweiz. 38 Haarnadelkurven, 1200 Höhenmeter, 1 Stunde und 7 Minuten Fahrt. Wer eine aussichtsreiche, dreistündige Wanderung rund um den Monte Gambarogno unternehmen will, fährt bis «Alpe di Neggia, Alpe» und läuft nach Indemini – oder umgekehrt. In jedem Fall lohnt sich ein Mittagessen im Ristorante Indeminese. Idealer Ausgangspunkt für weitere Ausflüge im Gambarogno ist das Hotel Bellavista in Vira Gambarogno mit einem parkähnlichen Garten, Pool, toller Aussicht, livrierten Kellnern und einer PostAuto-Haltestelle vor der Tür.
Gegen Abgabe einer gültigen PostAuto-Fahrbestätigung (erhältlich im Postauto beim Fahrpersonal) serviert Fausto Domenighetti zwei Gästen im Ristorante Indeminese in Indemini ihre Hauptgerichte zum Preis von einem.
Gültig bis zum 31.10.2013 (Montag bis Freitag).
