Lea Rossi

...verkuppelt im Postauto

«Diese Pendelei ist doch mühsam!» Meine Schwiegermutter schaute mich mitleidig an. Einen Monat sollte sie die Kinder hüten, während ich in der Praxis von Doktor Kägi aushelfen und deshalb jeden Morgen in die Stadt pendeln würde. «Da kann man doch prima Zeitung lesen», entgegnete ich. Doch Oma Gertrud stichelte weiter: «All die vielen Fremden...»

Nun gut. Am Mittwoch hat ja Bruno immer die Kinder, also war Oma Gertrud arbeitslos. Sie entschied sich, zum Einkaufen in die Stadt zu fahren – mit mir und im Postauto. Kaum hatte ich mein geliebtes Biogarten-Magazin aufgeblättert, prahlte Oma Gertrud mit ihrem Wissen zum Thema Rosenzucht. Nicht genug: Frau Bühler – eben erst zugestiegen – schaltete sich ein und verwickelte uns rasch in ein Gespräch über eine Rose namens Innocencia. Kaum war Frau Bühler ausgestiegen, winkte uns Herr Moser, der pensionierte Briefträger, zu. Ob Bruno beim Jassturnier im «Leuen» auch mit von der Partie sei, wollte er wissen. Ich verneinte. Für Samstagabend war ein Raclette mit Oma Gertrud geplant. «Schade», seufzte Herr Moser. Er plauderte noch ein wenig mit meiner Schwiegermutter, derweil ich endlich weiter lesen konnte.

Am nächsten Morgen machte ich mich wie üblich auf den Weg, als mich Oma Gertrud im Flur abfing. Wollte sie etwa schon wieder in die Stadt? «Dir macht es doch nichts aus, wenn ich nicht zum Racletteabend komme?», fragte sie vorsichtig. «Du weißt, der nette Herr Moser...», meine Schwiegermutter kicherte wie ein Backfisch, «er braucht dringend einen Jasspartner.»  

Ein Lächeln konnte ich mir nicht verkneifen. Es machte ganz den Anschein, als hätte meine Schwiegermutter doch noch eine der netten Seiten des Pendelns kennen gelernt: fremde Menschen treffen!

Haben Sie im Postauto schon einmal eine Person kennen gelernt, mit der Sie heute noch Kontakt haben? Schreiben Sie uns Ihr Erlebnis in 500 Zeichen an infopag@postauto.ch. Die drei schönsten Geschichten werden auf  www.postauto.ch/mobilissimo veröffentlicht.