Menschen, Hintergründe

Gabriela Blickenstorfer – Fahrerin mit Feuer

Ich bin Gabi, PostAuto-Fahrerin aus Hausen am Albis (ZH), und mich begeistern grosse Fahrzeuge. Neben meiner Tätigkeit als Fahrerin bin ich die erste Feuerwehrkommandantin des Kantons Zürich.

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Bereits mein Vater war PostAuto-Fahrer – so bin ich wohl auch zu meiner Berufung gekommen. Mich faszinieren an meinem Beruf die verschiedenen Menschen und Begegnungen, die ich täglich erleben darf, und insbesondere die Wertschätzung, die mir die Fahrgäste meistens entgegenbringen. Ausserdem geniesse ich die Aussicht aus meiner Fahrerkabine: Die Frontscheibe ist mein Panoramafenster!

Das Anforderungsprofil für Fahrerinnen und Fahrer ist herausfordernd, spannend und vielseitig. So muss ich alle meine Fahrstrecken und die verschiedenen Anschlüsse auswendig kennen. Wo müssen wir einen Anschluss zwingend gewährleisten? Wo generiert der Fahrplan Anschlüsse ohne Garantie, also sogenannte «Turnschuh-Anschlüsse», weil die Reisenden für die knappe Umsteigezeit die schnellen Schuhe einsetzen müssen? Für unsere Fahrgäste ist es begreiflicherweise kaum zu verstehen, wenn der Anschluss weg ist, obschon es gemäss Fahrplan hätte reichen sollen, aber es in der Realität einfach nicht aufgegangen ist. Wir müssen auch wissen, wo uns ein anderer Linienbus entgegenkommt bzw. wo das Kreuzen nicht möglich ist – zum Beispiel in den Kurven des Albispasses. Selbstverständlich kommen Erschwernisse wie Umleitungen bei Baustellen oder Unfällen usw. hinzu. Ist die Strasse breit genug, nicht zuparkiert usw.? Auch den Ticketverkauf und die Fahrplanauskunft für meine Fahrgäste behalte ich im Auge.

Hauptsächlich wahrgenommen werde ich natürlich als Fahrerin zuvorderst im Fahrzeug. Wir haben aber noch ganz andere Aufgaben: Bei Dienstbeginn fülle ich das Prospekte- und Werbematerial auf und melde das Fahrzeug bei der Leitstelle in Zürich an. Diese sieht uns während der ganzen Zeit mittels GPS-Signal. Ich installiere die Kasse für den Billettverkauf und führe täglich die vorgeschriebene Sicherheitskontrolle am Fahrzeug durch. Dabei kontrolliere ich, ob das Fahrzeug Schäden hat, ob es funktionstüchtig ist und ob die Pneus genügend Profil haben. Das Tanken und das Auffüllen von AdBlue zur Schadstoffminderung sind im Dienstplan klar vorgegeben. Vor der Abfahrt kontrolliere ich ausserdem jeweils auch den Tankstand. Man stelle sich vor, ein Postauto hat keinen Diesel mehr und steht im Pendlerverkehr oder auf einem Pass vollbesetzt am Strassenrand – undenkbar! Je nach Zeit und Vorgabe mache ich an den Endhaltestellen eine Innenraumkontrolle. Sind alle Personen ausgestiegen? Liegt Abfall am Boden oder eingeklemmt in den Sitzen? Und gibt es Fundsachen für das Fundbüro? Am Dienstende reinige ich das Fahrzeug Besenrein. Bei sehr starker Verschmutzung reinige ich auch die Aussenflächen des Fahrzeugs in der Waschanlage. Ebenfalls muss ich den Kilometerendstand in das Fahrzeugbuch eintragen und visieren. Dann mache ich die Abrechnung der Kasse. Nicht zuletzt muss ich auch das Fahrzeug an die externe Stromversorgung anschliessen und, wenn es ausserhalb der Garage parkiert ist, den Schlüssel abnehmen. Danach ist mein Arbeitstag zu Ende und ich habe Feierabend.

Gabi privat

Ich wohne in Hausen am Albis (ZH), wo ich auch arbeite. Ursprünglich bin ich gelernte Landwirtin. Mein aufwändiges Hobby ist die Feuerwehr. Seit fast zehn Jahren bin ich Feuerwehrkommandantin der Ortsfeuerwehr. Damals war ich die Erste im Kanton Zürich. Gerne hätte ich mehr Zeit fürs Velofahren, Arbeiten ums Haus oder Wandern. Ich lebe seit 14 Jahren glücklich in einer eingetragenen Partnerschaft in einem Einfamilienhaus. In unserem Eigenheim wohnen ausserdem vier Nymphensittiche in einer grossen Voliere. Mein Lebensmotto: Die schönsten Momente geniessen, als wären es die letzten.