News, Hintergründe

Wie PostAuto seine Tickets verkauft

Können PostAuto-Fahrgäste ihre Tickets auch künftig beim Fahrpersonal kaufen? Ja: mit wenigen Ausnahmen ist dies weiterhin möglich. In einer Auslegeordnung erklären wir, wieso es die Ausnahmen gibt.

Inhaltsbereich

In den meisten Kantonen ist es nach wie vor möglich, sein Ticket im Postauto beim Fahrpersonal zu kaufen.

Können PostAuto-Fahrgäste ihre Tickets auch künftig beim Fahrpersonal kaufen? Ja: mit wenigen Ausnahmen ist dies weiterhin möglich. In einer Auslegeordnung erklären wir, wieso es die Ausnahmen gibt.

Postautos fahren fast überall in der Schweiz. Mit drei kantonalen Ausnahmen können unsere Fahrgäste ihre Tickets weiterhin beim Fahrpersonal dieser Postautos kaufen. PostAuto bietet damit einen Service an, den es bei vielen städtischen Verkehrsbetrieben schon seit langem nicht mehr gibt. Nachfolgend erklären wir, wie es zu den Ausnahmen kam und wie die Strategie für die Zukunft aussieht.

ZVV

Auf Basis eines politischen Entscheids stellte der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) Ende 2024 den Ticketverkauf beim Fahrpersonal in allen Bussen und Postautos auf dem ZVV-Gebiet ein. Seit Dezember 2024 ist es deshalb im ZVV-Perimeter grundsätzlich nicht mehr möglich, in Postautos Tickets zu kaufen. Als Alternative zu den digitalen Kanälen können Kundinnen und Kunden ihre Tickets telefonisch beim ZVV Contact Center kaufen und auf den SwissPass referenzieren lassen. Der Systemwechsel verlief problemlos, die Fahrgäste haben sich an die neuen Voraussetzungen angepasst.

Die Situation in Graubünden

Auf Anfang 2026 hat PostAuto den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal im Kanton Graubünden beendet. PostAuto setzte damit eine Vorgabe des Kantons Graubünden um, die für alle Bündner Transportunternehmen (TU) gilt. Der Kanton hatte einheitliche Standards im öV gefordert und wollte damit die betriebliche Effizienz erhöhen, um beispielsweise den Fahrplan besser einhalten zu können. Deshalb haben alle TU in Graubünden das Venda-System mit Mini-Automaten eingeführt. Wer auf Bargeld setzt, kann an ausgewählten Orten Wertkarten kaufen und sie mit Bargeld aufladen, um damit am Venda-Automaten Tickets anonym zu kaufen. Seit der Umstellung bei PostAuto gilt im gesamten öV des Kantons Graubünden der gleiche Standard, denn Chur Bus, Engadin Bus und der Verkehrsbetrieb Davos verzichten bereits seit 2023 auf den Ticketverkauf durch das Fahrpersonal.

Tessin

Im Kanton Tessin stehen viele Verkaufsgeräte in Fahrzeugen sowie Billettautomaten an Haltestellen vor ihrem Lebensende, und die Transportunternehmen fragen sich: Sollen sie die alten Verkaufsgeräte mit Geräten ersetzen, welche die gleichen Funktionalitäten haben oder nicht? Denn immer weniger Fahrgäste nutzen diese teuren Automaten, sie kaufen ihre Tickets vermehrt digital. Im Sinne eines haushälterischen Umgangs mit Steuergeldern haben sich acht Transportunternehmen in Absprache mit dem Kanton Tessin als Besteller der regionalen öV-Leistungen für eine gemeinsame Ticketverkaufsstrategie entschieden. Sie sieht unter anderem ab Ende 2026 neue digitale Mini-Automaten in Fahrzeugen und an Haltestellen vor. Wer weiterhin mit Bargeld bezahlen will, kann Wertkarten kaufen und beim Mini-Automaten zur Zahlung einsetzen. PostAuto ist Teil des Konsortiums der acht Transportunternehmen.

Klarer Trend Richtung Digitalisierung

Beim Ticketverkauf geht es nicht nur um den haushälterischen Umgang mit Steuergeldern, sondern auch um Kundenbedürfnisse. So lösen immer mehr Fahrgäste ihre Tickets digital, meist mit ihrem Smartphone mittels SBB Mobile/EasyRide, Fairtiq oder Ticket-Apps von regionalen Transportunternehmen. In der Schweiz werden inzwischen 76% der Tickets und Abos auf digitalem Weg gekauft, Tendenz steigend. Diese Kundinnen und Kunden fordern von der öV-Branche und damit auch von PostAuto einfach bedienbare digitale Angebote, die beispielsweise auch das bargeldlose Bezahlen, Reservationen oder die einfache Velomitnahme umfassen.

Die Strategie von PostAuto

PostAuto ist es wichtig, dass alle Fahrgäste ihre Tickets auf einfache Art lösen können. Gleichzeitig bewegt sich das Transportunternehmen zwischen der Forderung nach dem Status quo und der nicht aufzuhaltenden Digitalisierung und hat sich deshalb für folgende Strategie entschieden:

  • Die öV-Branche will den Ticketverkauf ab 2035 möglichst vollständig digitalisieren. Die Branchenorganisation Alliance SwissPass geht davon aus, dass im Jahr 2035 90 Prozent der öV-Fahrgäste ihre Tickets online lösen. PostAuto orientiert sich an dieser Terminplanung.
  • Damit Reisende ohne Handy und Kreditkarte den öV weiterhin auf einfache Weise nutzen können, arbeitet die öV-Branche an standardisierten Lösungen. Eine davon ist die im Dezember 2025 lancierte Prepaid Card, mit der Fahrgäste ihre Billette an allen Verkaufsstellen und Billettautomaten schnell und kontaktlos bezahlen können – auch an bargeldlosen Automaten.
  • Sollte die Aufhebung des Ticketverkaufs beim PostAuto-Fahrpersonal in einem Kanton zum Thema werden, so erfolgt dies bis auf Weiteres ausschliesslich in Abstimmung mit dem jeweiligen Kanton als Besteller und im Rahmen eines regional für alle Transportunternehmungen gültigen Vertriebskonzeptes – so wie es gegenwärtig in den Kantonen Zürich, Graubünden und Tessin der Fall ist.

Das könnte Sie auch interessieren

Inhaltsbereich